Weihnachten mit Jamie

Weihnachten mit Jamie

Im großen Übungssaal im Souterrain des Fit-to-Fight-Studios ging es hoch her und die finale Abschlussprüfung des dritten Kurses war in vollem Gange. Die Teilnehmer waren zwischen neun und elf Jahren und mit ganzem Eifer dabei.
Zusammen mit Daniel, Kevin und Benny hatte Kyle einen interessanten Aufbau für das finale und nicht ganz ernst gemeinte Weihnachtsturnier ausgetüftelt. In der ersten Station mussten sich die kleinen Kämpfer in einem Fall von Pöbelei richtig verhalten. Daniel, der lange als Polizist gearbeitet hatte, spielte hier den Bösewicht.
Danach kamen ein paar Geschicklichkeitsübungen, die Schnelligkeit und Wendigkeit verlangten und eher aus dem Team-Sport-Training kamen. Das war der Beitrag von Daniels Freund Kevin gewesen, mit dem Kyle selbst schon lange befreundet war. Außerdem behielt Kevin mit seinem Tablet auch alle Spielstände im Blick.
Daniel hatte ferner Benny, einen der Schützlinge aus seiner Stiftung, der Rainbow Foundation, mit ins Boot gebracht, der den Kindern über die letzten drei Tage ein paar coole Free-runner-Moves beigebracht hatte. Dabei waren sogar einige schlummernde Talente ans Tageslicht gekommen und über die Hälfte konnte am Ende einen nahezu perfekten Salto aus dem Lauf oder Stand. Alle, ohne Ausnahme, schafften es nun auch über die zwei Meter hohe Kletterwand.
Kyle musste bei allen Kindern lachen, wenn sie bei der letzten Aufgabe an eine mannshohe Pappfigur kamen und diese mit maximal drei Karatekicks in Stücke zerlegten. Daran hatten sowohl alle Akteure als auch die Zuseher gleichermaßen Spaß.
Nun blickte Kyle zufrieden lächelnd auf seine Schützlinge, die alle in der Mitte zusammengekommen waren und gerade einen grandiosen Teamjubel anstimmten, herumhüpften und durcheinanderriefen. Benny und Kevin hoben lachend den zehnjährigen Sammy und die neunjährige Liza, die in diesem dritten und somit letzten Kurs vor Weihnachten gewonnen hatten, auf ihre Schultern. Als sie schließlich die Pokale hochreckten, klatschten die anderen Kinder, die alle eine Medaille um den Hals hatten, begeistert Beifall.
Er war richtig stolz auf seine Truppe und freute sich bereits, es Jason zu erzählen, auch wenn sich sogleich ein leichtes Ziehen in seinem Magen bemerkbar machte. Aber er verscheuchte den Gedanken wieder.
Du wirst doch sicher heute Abend endlich von deiner dämlichen Geschäftsreise nachhause kommen, dachte er hoffnungsvoll.
„So, dann wünsch ich allen schöne Weihnachten“, rief Kyle eine halbe Stunde später in die Runde, als sich der ganze Trubel langsam legte, und wurde von allen nochmal persönlich abgeklatscht.
Benny kam zu Kyle. „Richtig gut gelaufen, oder?“, sagte er mit einem zufriedenen Lächeln, als sich die Kids gerade von seinem Schäferhund Yoda verabschiedeten, der als Maskottchen auf einem kleinen Podium saß, von wo aus er das Ganze gut im Blick hatte.
„Haha, super. Er gibt jedem noch ein Hi Five.“ Kyle grinste, als Yoda auch noch beim letzten Kind begeistert die Pfote hob. „Wie du ihm immer wieder neue Tricks beibringst, ist echt toll und auch, dass ihm der ganze Trubel hier nix ausmacht.“
„Er liebt es einfach, zuzusehen, und ist am liebsten mittendrin.“
„Und was ist aus dem anderen Hund geworden, den sie dir vor ein paar Wochen anvertraut haben? Den, den sie aus dem aktiven Polizeidienst ausgemustert haben?“, erkundigte sich Kyle. „Hast du ihn noch?“
„Den, mit der Hals-OP?“
„Genau den, das war schon ein älterer, oder?“
Benny nickte. „Er ist acht, ja. Der is’ inzwischen adoptiert worden.“
„Schade.“ Kyle seufzte, dann lächelte er doch. „Nein, Blödsinn. Das is’ wirklich gut.“
„Die Tierärzte haben den Tumor restlos entfernen können. Allerdings kann er nun nicht mehr bellen, aber wen stört das schon. Er muss noch Medikamente nehmen, die er auch ganz brav schluckt. So hat er vielleicht noch ein paar gute Jahre. Der hätte dir gefallen, nicht wahr?“
„Sehr ja, aber Jay ist da alles andere als begeistert. Leider.“
„Na ja, er hat einen guten Platz bekommen, denke ich.“
„Wenn du das sagst, glaub ich dir.“
„Is’ es okay, wenn ich schon abhaue? Ich fahr heute noch mit Marty und seinen Eltern in die Berge und sollte vorher eine Runde mit Yoda gehen.“
„Klar, wir räumen ohne dich zusammen. Danke für deine Hilfe. Dann wünsch ich euch viel Spaß.“
„Danke, dir auch. Und frohe Weihnachten. Wenn du ’nen neuen Kurs zusammenstellst, mach ich gern wieder mit. Ruf mich an.“
„Gerne doch. Da sollten wir dranbleiben.“
„Würd mich freuen. Komm Yoda, Feierabend. Jetzt gehen wir erstmal ’ne Runde Gassi, was meinst du?“
Yoda kam begeistert schwanzwedelnd zu ihm, wobei er Kyle noch einmal mit seiner feuchten Hundenase anstupste, so als wolle er sich ebenfalls verabschieden. Lächelnd strich ihm Kyle über den schönen Kopf.
„Pass auf Benny auf, okay?“
„Wuff!“
Sie lachten.
„Tschau ihr zwei.“
Dann räumte er mit Daniel und Kevin den Raum auf.

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